Die Jahreskette

 
Bereits im Kindergartenalter beginnen Kinder, sich mit ihrer Situation zu beschäftigen – mit ihrem „Sitz im Leben“. Dazu gehört auch, den Bezug herzustellen zu den Dimensionen von Zeit und Vergänglichkeit. Als Schüler finden sich Kinder in neuen Zeitstrukturen wieder und beginnen, sich mit ihnen zu befassen. Doch Zeitbegriffe sind zum einen schwer erklärbar und zum anderen für Kinder kaum fassbar; so wissen sie allenfalls zu beschreiben ob es bis zu ihrem Geburtstag noch „lange“ oder „nicht so lange“ dauert. Allein die Vorfreude ist dabei ihr Maßstab. Die Jahreskette gehört zu den Montessori Materialien, die auf denkbar einfach Weise solch komplexe Sachverhalte veranschaulichen und „be-greifbar“ machen. Für jeden Tag des Jahres steht eine Perle, aufeinander gereiht zu einem Jahr. Die Monate sind jeweils Farben zugeordnet, wobei sich die Jahreszeiten in den Farbtönen wieder finden. Ein ausgewähltes Datum wie der eigene Geburtstag wird der Position unter allen 365 Perlen zugeteilt, einem Monat oder einer Jahreszeit – etwa den gelb-orangefarbenen Tönen des Sommers oder den kalt-blauen Tönen des Winters. Das Kind sieht, ob es früh oder spät im Jahr Geburtstag feiert und bekommt eine Vorstellung vom Jahresablauf und seiner zeitlichen Dimension: Durch Betrachten der Perlen kann es nachvollziehen, welchen Schritt es in seiner eigenen Entwicklung macht. Die Jahreskette ist vier Meter lang und kann somit auch abgelaufen werden. Wie der Jahreskreis ist sie ein Mittel, Kindern die Abläufe des Sonnensystems zu erklären oder vielmehr, ihnen die Grundlagen im Rahmen der Kosmischen Erziehung zu vermitteln. In der Montessori Pädagogik wird großer Wert darauf gelegt, dass das Kind erlebt und lernt, in welche natürlichen Abläufe sein Leben eingebettet ist.
 
 

Spielerisch das Jahr erleben mit der Jahreskette

 
Mit der Jahreskette kann auch Zusatzmaterial erworben werden, das den Kindern einen spielerischen Einstieg in die Auseinandersetzung mit zeitlichen Abläufen rund ums Jahr bietet indem es dazu auffordert, den Jahresrhythmus näher zu erkunden. Kärtchen mit den Namen der Monate sind farbig den entsprechenden Perlen zugeordnet, beziehungsweise der Jahreszeit in der sie liegen. Mit den Kärtchen können Eckpunkte des Jahres bezeichnet werden – so wird ihre Lage im Jahresablauf deutlich, das Kind erlernt nebenbei das Lesen und die Schreibweise der Begriffe und es erfasst die Struktur der zwölf Monate, der vier Jahreszeiten. Feste wie Fasching oder die Walpurgisnacht sind erkennbar durch Bilder, hier einer kleinen Hexe; ebenso können Feiertage wie Ostern oder Heiligabend, Halloween oder Geburtstage der Freunde, markiert werden. Das Zuordnen der ansprechend gestalteten Karten erleichtert es wesentlich, sich den Jahresablauf zu vergegenwärtigen und die Folge der Jahreszeiten: Das Bild vom Baum im Herbstlaub oder im Frühlingsgrün. Wie stets bei Montessori Materialien, gibt es auch hier die Möglichkeit der Fehlerkontrolle. Die richtigen Zuordnungen sind von einem Kontrollblatt abzulesen. Arbeitsblätter mit Verständnisfragen und Textkarten helfen, die Kenntnisse zu vertiefen. Die Kette gibt es auch mit 24 Perlen als Tages- oder mit 3600 Perlen als Stundenkette. Mit der Lebenskette kann das Kind die Abläufe in der Natur und den Jahresrhythmus mit den eigenen, persönlichen „Meilensteinen“ verbinden und sich auf diese Weise in seinem Leben orientieren. Übrigens eignet sich die Jahreskette auch zum Einstieg in Fremdsprachen, indem die Abläufe des täglichen Lebens in der neuen Sprache erläutert werden, die Kärtchen erleichtern dann das Erlernen von Vokabeln.    

 


Die Geometrische Kommode – Fundgrube mit blauen Schätzen

 
Dieser Montessori Klassiker ist eine richtige Schatzkiste: Eine kleine Holzkommode, gefüllt mit Blauen Geometrischen Flächen, die in sechs Schubladen eingeordnet sind. Bereits das Herausnehmen und wieder einordnen der Formen schult den Sinn für Raum, Lage und Größe der einzelnen Formen – das Augenmaß für geometrische Körper. Feinmotorisch sind Kinder gefordert beim Einlegen der Formen verschiedener Größen in die Fächer, wie bei einem Puzzlespiel. Das Ertasten der leeren Aussparungen in der Schublade, das Einfügen der Flächen und schließlich das Abasten der nunmehr gefüllten Oberflächen zeigen Kindern, dass sie richtig zugeordnet haben. Die Formen können auch zum Spielen heraus genommen werden. Selbst wenn das Erfassen geometrischer Formen Unterrichtsziel für Grundschulklassen ist, heißt dies nicht dass Kinder erst ab Grundschulalter mit Geometrie konfrontiert werden sollten. Kinder sind bereits ab einem Alter von drei Jahren dazu in der Lage, solche Unterscheidungen zu treffen, Formen sinnlich zu erfassen und zu miteinander zu vergleichen. Maria Montessori hat immer wieder darauf hingewiesen, dass Kindern der Zugang zur Mathematik möglichst früh eröffnet werden sollte. Die Ärztin setzte die Existenz eines „mathematischen Geistes“ voraus,  sobald das Kind beginnt, seine Brotkrumen und Klötzchen zu ordnen. Mathematik ist aus ihrer Sicht ein „Mittel zur geistigen Entwicklung“ und die beginnt weit früher als mit der Einschulung. Das dreijährige Kind macht sich zwar noch nicht bewusst, dass ein Würfel über zwölf gleich lange Kanten verfügt, aber es wird eben dies ertasten und den Unterschied zum Quader durchaus wahrnehmen. Und somit hat es jene Lernmethode gewählt, die ihm angeboren ist und deswegen Lernerfolge garantiert. Das Benennen und Beschreiben von Körpern ist ein weiterer Schritt um Geometrie als angewandte Mathematik zu „be-greifen“.  Die Geometrische Kommode ist eine Fundgrube für solche Entdeckungsreisen in die Welt der Mathematik und sollte in keinem Kindergarten oder Kinderhaus fehlen.    
 

Geometrische Körper – nicht nur ein Lehrmittel

 
Kinder lernen, wenn man sie nur lässt. Sie gebrauchen ihre Sinne und entscheiden intuitiv, welche Entwicklungsschritte sie wann und in welche Richtung machen. Die Reformpädagogin Maria Montessori schrieb dazu: „Alles wird leicht, wenn das Wissen im absorbierenden Geist verwurzelt ist.“ Aus diesem Grund sieht die Montessori Pädagogik vieles für sehr frühe Lebensjahre vor, verglichen mit den Lehrplänen der Regelschule. Aber Montessori geht es nicht darum dazu anzuregen, Kinder möglichst früh an Leistung heranzuführen sondern vielmehr ihre ohnehin vorhandenen Lernfenster zu nutzen. Tatsächlich erwerben Kinder bereits in den ersten Lebensjahren weit mehr Kenntnisse als man ihnen zutraut. Nachdem sie Geometrische Körper durch Ertasten, Vergleichen und Zuordnen kennen gelernt und erforscht haben - spitze und weite Winkel, zwei Dreiecke die zusammengelegt einen Quader ergeben - sind Kenntnisse über die Geometrischen Körper so tief vorhanden, dass der Pythagorassatz nur wie eine logische Erklärung scheint. Der Rosa Turm, die Braune Treppe, die Roten Stangen – diese bekannten Montessori Materialien die von Kindern zunächst als Aufforderung zum Spielen empfunden werden, sind nichts anderes als ein Einstieg in die Arithmetik und später in die Geometrie. Das Verhältnis von Würfeln, Stufen und unterschiedlich langen Stangen zueinander steht für die Hierarchie der Zahlen. Kinder lernen sie bei der Beschäftigung mit diesen Materialien kennen und somit, mathematisch zu denken und zu schlussfolgern. Interessant ist, dass auch ältere Kinder die in der Schule „Mathe“ als verhasstes Fach empfinden und längst ihre Freude und ihr Selbstbewusstsein beim Rechnen verloren haben, mit diesen und anderen Materialien mühelos Größer-Kleiner-Aufgaben lösen, Symmetrien erkennen, Schnittmengen bilden oder die Kongruenz von Dreiecken entdecken. Montessori Materialien wie die Geometrischen Körper erfüllen eben diese Aufgabe: Sie laden zum Lernen ein.